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Schutz vor HIV

Um sich vor einer Infektion mit HIV zu schĂŒtzen, gibt es – abhĂ€ngig von den Übertragungswegen – mehrere Schutzmöglichkeiten. Im folgenden Artikel sind die relevanten Schutzthemen in Anlehnung an die Botschaften der Deutschen Aidshilfe zusammengefasst:

Safer Sex ist eine wirkungsvolle Methode, die Übertragung von HIV zu verhindern. Die wichtigsten Regeln sind: Beim analen und vaginalen Geschlechtsverkehr schĂŒtzen Kondome. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten, das Risiko einer HIV-Infektion zu reduzieren, vor allem in festen Partnerschaften, dazu gehört zum Beispiel der gemeinsame HIV-Test, verbunden mit der Absprache, außerhalb der Beziehung kein Risiko einzugehen. Wichtig zu wissen: Auch Safer Sex bietet keinen hundertprozentigen Schutz (es heißt safer sex, nicht safe sex). Kondome können zum Beispiel reißen oder abrutschen. Dieses Risiko lĂ€sst sich aber stark verringern, indem man gut darĂŒber Bescheid weiß, wie man Kondome anwendet und den Umgang mit ihnen ĂŒbt. Safer Sex ist dann wirklich eine ziemlich sichere Sache.

Hinweise zur Kondomanwendung und safer sex

Bei der Verwendung von Kondomen sollte man folgende Punkte beachten:

  • Kondome in geprĂŒfter QualitĂ€t verwenden (erkennbar zum Beispiel am CE-Kennzeichen und an der DIN-PrĂŒfnummer).
  • Bei Kondomen auf das Haltbarkeitsdatum achten.
  • Die Verpackung nicht mit scharfkantigen GegenstĂ€nden (Messer, Schere) oder den ZĂ€hnen aufreißen. Vorsicht mit spitzen FingernĂ€geln!
  • Das Kondom erst ĂŒberziehen, wenn der Penis steif ist. Die Vorhaut zurĂŒckziehen, das Kondom mit dem Ring nach außen auf die Eichel setzen. Mit den Fingern das Reservoir an der Spitze zusammendrĂŒcken, um Luft zu entfernen. Dann das Kondom mit der anderen Hand vollstĂ€ndig abrollen. Nie zwei Kondome gleichzeitig verwenden – sie scheuern aneinander und können so leichter reißen oder abrutschen.
  • Bei Analverkehr und trockener Scheide immer ausreichend fettfreies Gleitmittel verwenden. Niemals fetthaltige Mittel (Vaseline, Massageöl, Bodylotion) verwenden – sie zerstören das Kondom! Erst das Kondom ĂŒber den Penis ziehen, dann das Gleitmittel auftragen. Nie Gleitmittel auf den Penis auftragen, bevor das Kondom ĂŒbergezogen wird, es kann sonst leicht abrutschen.
  • Hin und wieder mit der Hand prĂŒfen, ob das Kondom noch richtig sitzt.
  • Nach dem Samenerguss den Penis aus der Scheide oder dem Anus herausziehen, so lange er noch steif ist. Dabei das Kondom am Gummiring festhalten.

Zu Safer Sex gehört noch mehr als ĂŒber Kondome Bescheid zu wissen. Es ist wichtig, beim Sex gut mit sich selber umzugehen, die eigenen BedĂŒrfnisse zu kennen und nur das zu tun, was man auch wirklich möchte. Sonst fĂŒhlt man sich nicht wohl in seiner Haut – und kann dann oft auch nicht selbstbewusst fĂŒr seinen Schutz sorgen.

Alkohol und Drogen können die eigenen Risikobereitschaft erhöhen. Im Rausch vergisst man leichter, dass man sich eigentlich vor HIV schĂŒtzen wollte. Am nĂ€chsten Morgen folgt dann nicht selten ein böses Erwachen. Deswegen empfiehlt es sich, vor dem Sex nicht zu viel Alkohol oder Drogen zu konsumieren.

Wichtig ist außerdem, VerĂ€nderungen am eigenen Körper rechtzeitig wahrzunehmen. Wenn es juckt, brennt oder schmerzt oder HautverĂ€nderungen auftreten, sollte man möglichst bald einen Arzt / eine Ärztin aufsuchen. Sexuell ĂŒbertragbare Infektionen (STI) können das Risiko einer HIV-Infektion erhöhen, weil die dabei entstehenden EntzĂŒndungen den Körper anfĂ€lliger fĂŒr HIV machen. FrĂŒh erkannt, lassen sich STI nĂ€mlich gut behandeln.

PEP (= Postexpositionsprophylaxe)

Es kann vorkommen, dass beim (Safer) Sex etwas schief geht. Kondome können zum Beispiel reißen oder abrutschen. Manchmal werden sie im Rausch der GefĂŒhle auch einfach vergessen. Wenn ein Partner HIV-positiv ist, kann HIV ĂŒbertragen werden. Panik ist in solchen Momenten aber fehl am Platz: Eine HIV-Infektion lĂ€sst sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch verhindern. Dazu werden fĂŒr vier Wochen HIV-Medikamente eingenommen. Die Medikamente hindern das Virus daran, sich im Körper festzusetzen. Diese Behandlung nennt man Postexpositionsprophylaxe, kurz: PEP. Das bedeutet in etwa „Nach-Risiko-Vorsorge“.

Wichtig: Mit einer PEP muss so schnell wie möglich nach dem HIV-Risiko begonnen werden. Am besten innerhalb von zwei Stunden, sonst möglichst innerhalb 24 Stunden, spÀtestens nach 48 Stunden. Ob eine PEP bis zu 72 Stunden (drei Tage) nach dem Risiko noch sinnvoll sein kann, ist umstritten. In Wiesbaden bekommt man diese Nachbehandlung am besten bei einem HIV-Schwerpunktarzt, diese sind:

Nach einem Risikokontakt haben Sie auch die Möglichkeit, sich rund um die Uhr persönlich an die Notaufnahmen folgender Kliniken in Wiesbaden zu wenden:

  • Notaufnahme des St. Josefs-Hospital Wiesbaden
    Beethovenstraße 20, 65189 Wiesbaden
    0611-177-1182 oder -0611-177-1188
  • Notaufnahme der Asklepios-Paulinen-Klinik Wiesbaden
    Geisenheimer-Straße 10, 65197 Wiesbaden
    0611-8472242

Schutz durch Therapie

Die HIV-Medikamente verhindern im Körper eines HIV-positiven Menschen die Vermehrung des Virus. Nach einiger Zeit ist bei einer gut wirksamen Therapie im Blut kein HIV mehr nachweisbar. Man spricht dann von einer „Viruslast unter der Nachweisgrenze“. Kurz darauf sind dann auch in Sperma, der ScheidenflĂŒssigkeit, in anderen KörperflĂŒssigkeiten und in den SchleimhĂ€uten keine oder nur noch sehr wenige HI-Viren nachweisbar. Eine Übertragung von HIV auf Sex-Partner*innen ist dann extrem unwahrscheinlich. Studien haben ergeben, dass eine gut wirksame HIV-Therapie mindestens genauso zuverlĂ€ssig vor der Übertragung von HIV schĂŒtzt wie Kondome. In diesem Fall ist also auch Sex ohne Kondom Safer Sex. Absolute Sicherheit gibt es in beiden FĂ€llen nicht, denn auch beim Kondomgebrauch kann etwas schief gehen. Aber beide Methoden haben eine sehr hohe Schutzwirkung. Das Restrisiko ist schwer zu beziffern, auf jeden Fall aber Ă€ußerst gering. Weltweit ist bisher nur ein Fall wissenschaftlich dokumentiert, in dem HIV offenbar trotz wirksamer Therapie ĂŒbertragen wurde (wobei dies nicht einmal zweifelsfrei erwiesen ist). Die Viruslast muss unter der Nachweisgrenze liegen und der oder die HIV-Positive muss die Medikamente regelmĂ€ĂŸig einnehmen. Ob die Bedingungen erfĂŒllt sind, muss alle drei Monate durch Bluttests in einer auf HIV spezialisierten Praxis oder Ambulanz ĂŒberprĂŒft werden.

Safer Use

  • FĂŒr jeden Druck (Injektion) die eigene, sterile Nadel und Spritze verwenden.
  • Immer nur den eigenen, sauberen Löffel benutzen.
  • Viele Drogeneinrichtungen bieten „Stericups“ an, das sind sterile AufkochpfĂ€nnchen mit Filter.
  • Filter nur einmal benutzen. Empfehlenswert sind unbenutzte Zigarettenfilter. Achtung: Filter schĂŒtzen nicht vor Krankheitserregern!
  • Zum Aufkochen nur steriles Wasser, frisches, kaltes Leitungswasser oder Mineralwasser ohne KohlensĂ€ure verwenden.
  • Immer das eigene Feuerzeug benutzen.

 

PrEP (= PrÀ-expositionsprophylaxe)

Die AbkĂŒrzung PrEP steht fĂŒr PrĂ€-Expositionsprophylaxe, also etwa „Vor-Risiko-Vorsorge“. Das heißt, dass HIV-negative Menschen nach einem bestimmten Schema HIV-Medikamente vorbeugend einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schĂŒtzen. In Deutschland ist seit Oktober 2016 das HIV-Medikament Truvada als PrEP zugelassen.

FĂŒr wen ist die PrEP?

Die Wirksamkeit der PrEP wurde in mehreren Studien bei MĂ€nnern die Sex mit MĂ€nnern haben (MSM), nachgewiesen. Alle Teilnehmer an diesen Studien hatten ein besonders hohes HIV-Ansteckungsrisiko.

Studien mit heterosexuellen Teilnehmer*innen brachten bisher noch keine Ă€hnlich guten Ergebnisse. Gerade fĂŒr Frauen ist eine PrEP daher noch nicht zu empfehlen, da die Wirksamkeit nicht sichergestellt ist, ebenso die Frage nach dem VerhĂ€ltnis PrEP und Schwangerschaft. GrĂŒnde fĂŒr diese unterschiedlichen Studienergebnisse könnten sowohl in der „Therapietreue“ als auch in der unterschiedlichen Beschaffenheit von analen und vaginalen SchleimhĂ€uten liegen.

Wie bekommt man eine PrEP?

Eine PrEP sollte man ausschließlich in RĂŒcksprache mit einem HIV-Spezialisten / einer HIV-Spezialistin einnehmen. Von einer selbststĂ€ndiger Einnahme ohne Ă€rztliche Kontrolle raten wir dringend ab.

Vor dem Beginn der PrEP ist ein HIV-Test notwendig, ebenso ist eine Testung auf andere sexuell ĂŒbertragbare Infektionen zu empfehlen. Der HIV-Test wird anschließend regelmĂ€ĂŸig (alle drei bis sechs Monate) wiederholt. Eine PrEP ist nur ĂŒber ein Rezept zu bekommen.

Was kostet die PrEP?

Die gesetzlichen Krankenkassen ĂŒbernehmen seit Oktober 2019 die Kosten fĂŒr die PrEP und die verpflichtenden Begleituntersuchungen. Das regelmĂ€ĂŸige 3-monatige Screening auf Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien ist keine Pflichtuntersuchung, kann aber ĂŒber die Krankenkasse abgerechnet werden.

Warum trotz PrEP noch ein Kondom verwenden?

Kondome bieten nach wie vor die einzige Möglichkeit, sich vor sexuell ĂŒbertragbaren Infektionen (STI) zu schĂŒtzen. Eine PreP schĂŒtzt zwar sehr zuverlĂ€ssig vor HIV, nicht aber vor anderen STI.

Ich interessiere mich fĂŒr eine PrEP – wo gehe ich hin?

Sie können sich ĂŒber die PrEP in unserer Beratungsstelle informieren oder Sie suchen einen Arzt/eine Ärztin auf. In Wiesbaden können Sie sich an die entsprechenden HIV-Spezialist*innen wenden:

Weitere Infos zur PrEP finden Sie auf der Seite der Deutschen Aidshilfe unter www.aidshilfe.de/hiv-prep.